Die Forschung zu Kollagen als Nahrungsergänzung läuft seit einigen Jahren auf Hochtouren. Insgesamt zeichnet sich ein gemischtes, aber teils positives Bild ab. Ein Überblick über wichtige Anwendungsbereiche:
Haut
Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Kollagen die Haut verbessern kann. Proksch et al. (2014) belegten, dass 12 Wochen tägliche Einnahme von Kollagenpeptiden Falten reduzieren und die Dermal-Matrix stärken. Zague et al. (2018) fanden zudem, dass Kollagenhydrolysat die Kollagenexpression erhöht und den Abbau hemmt.
Einige weitere Placebo-Studien weisen auf ähnliche Effekte hin – wenngleich oft Kombinationsprodukte (z. B. mit Vitaminen) getestet wurden, was die isolierte Wirkung des Kollagens erschwert. Insgesamt deuten die Befunde auf moderate, potenziell positive Effekte oraler Kollagenpräparate auf Hautfeuchtigkeit, Elastizität und Dichte hin.
Gelenke
Auch für die Gelenke (z. B. bei Arthrose oder sportlicher Belastung) gibt es vielversprechende Daten. Kollagen ist ein wesentlicher Bestandteil des Knorpels, weshalb untersucht wurde, ob eine orale Zufuhr diesen schützen oder regenerieren kann.
Eine placebokontrollierte Studie von Lugo et al. (2013) zeigte, dass die tägliche Einnahme von 40 mg nativen, undenaturierten Typ‑II‑Kollagens (UC‑II) über 6 Monate signifikant Gelenkschmerzen und Steifigkeit bei Arthrosepatienten reduzierte – teils sogar stärker als bei einer Vergleichsbehandlung mit Glucosamin/Chondroitin.
Ergänzend berichtete eine 24‑Wochen-Studie von Clark et al. (2008) bei Sportlern über eine Abnahme von Gelenkschmerzen und eine verbesserte Mobilität durch die Einnahme von Kollagenhydrolysat. Zwar weisen manche Untersuchungen methodische Einschränkungen oder geringe Probandenzahlen auf, doch deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass Kollagenpräparate potenziell zur Linderung von Gelenkbeschwerden beitragen können.
Haare & Nägel
Kollagen wird von der Werbung gerne für Haare und Fingernägel angepriesen, wissenschaftlich ist die Evidenz hier jedoch dünn. Bisher gibt es kaum Nachweise, dass Kollagenpräparate Haarausfall stoppen oder das Haarwachstum deutlich fördern könnten. Lediglich indirekt könnte die verbesserte Hautgesundheit auch der Kopfhaut zugutekommen, was sich positiv auf Haare auswirkt – dies ist jedoch nicht konkret belegt.
Bei brüchigen Nägeln deutete eine kleinere Studie an 25 Personen an, dass 2,5 g Kollagen täglich über 24 Wochen die Nagelsplitterung reduzierten und das Nagelwachstum leicht verbesserten. Allerdings fehlte in dieser Studie eine Placebo-Kontrollgruppe, sodass keine belastbaren Schlüsse gezogen werden können.
Kurz gesagt, Kollagen für Haare und Nägel bleibt ein Versprechen, das die Forschung bislang nicht eindeutig untermauern kann.
Gewichtszunahme & Nebenwirkungen
Ein häufig diskutiertes Thema sind mögliche unerwünschte Effekte. Zum einen die Frage: Führt Kollagen zu Gewichtszunahme? Hier kann Entwarnung gegeben werden – Kollagen liefert zwar Kalorien (rund 4 kcal pro Gramm Eiweiß), doch in üblichen Dosierungen (5–10 g pro Tag) sind keine Auswirkungen aufs Körpergewicht zu erwarten. Kollagen an sich enthält keine versteckten Fette oder Kohlenhydrate. Im Gegenteil berichten einige Anwender, dass Kollagenpulver eher sättigend wirkt und somit tendenziell die Kalorienaufnahme reduzieren kann.
Zum anderen sind Kollagen-Nebenwirkungen selten. In den klinischen Studien wurden bisher keine gravierenden unerwünschten Effekte beobachtet. Es traten keine Auffälligkeiten in Blutwerten oder Organfunktionen auf, und selbst leichte Beschwerden wurden in Studien kaum häufiger als unter Placebo gemeldet.
In Einzelfällen kann es zu milden Verdauungsproblemen (Völlegefühl, weicher Stuhl) kommen, vor allem wenn sehr hohe Dosen (>10 g) auf einmal eingenommen werden. Insgesamt gilt Kollagen aber als gut verträglich. Natürlich sollten Allergiker auf die Quelle achten – wer z.B. eine Fischallergie hat, sollte marine Kollagenprodukte meiden.
Fazit
Kollagen-Supplements zeigen in Studien teils positive Effekte auf Haut und Gelenke, während für andere versprochene Wirkungen wie schöneres Haar die Evidenz noch fehlt. Gleichzeitig wurden keine schweren Nebenwirkungen dokumentiert. Dennoch ersetzen diese Mittel keine medizinische Therapie – und ihre tatsächliche Wirksamkeit bewegt sich eher im moderaten Bereich. Entsprechend vorsichtig bewertet auch die Europäische Behörde EFSA die Lage.